Traditionell hält in einer Vindö 32 eine Stopfbuchse, die auf das Stevenrohr montiert ist, die Propellerwelle im Motorraum dicht. So zuverlässig die alten Stopfbuchsen auch ihren Zweck erfüllen, es gibt moderne Wellendichtungen, die wartungsärmer sind und komplett dicht sind. Genau so eine habe ich nun in meine Vindö 32 eingebaut. Bei dieser Gelegenheit habe ich gleich noch das Wellenlager im Stevenrohr erneuert, das so genannte Cutlass-Lager. Hier zeige ich, welche Teile ich im Motorraum vorgefunden habe und wie ich den Austausch vorgenommen habe.

Ausgebaut: Propellerwelle mit konischem Sicherungsstift und konventioneller Stopfbuchse. Bei der konventionellen Stopfbuchse wird eine Baumwolleinlage zusammen und damit an die Welle gepresst. Die Baumwolle quillt im Wasser auf. Das dichtet die Welle ab. Presst man die Baumwollpackung zu fest, wird die Welle heiß und läuft tatsächlich ein, soll heißen: wird jünger. Damit die Welle in der Baumwollpackung gut laufen kann, muss man regelmäßig mit einer Fettpresse (die bei der Vindö 32 in der achterlichen Backkiste steckt) Wellenfett in die Stopfbuchse pressen.
Eingebaut Tel 1: Das neue Wellenlager (auch Cutlass-Lager genannt) aus Kunstharz ist im Stevenrohr eingebaut. Blick von außen auf den Achtersteven der Vindö 32 mit Stevenrohr. Man sieht von innen nach außen: 1. Die Gummieinlage mit Nuten in Längsrichtung, das ist das eigentliche Lager für die Welle. 2. Das Rohr des Wellenlagers aus bläulichgrauem Kunstharz. 3. Das Stevenrohr als dunklen Kreis 4. Den „GFK-Stummel“ als Fortsatz des Rumpfes, in dem das Stevenrohr steckt. Das Cutlass-Lager sitzt so fest im Stevenrohr, dass es nicht verrutschen sollte. Zur Sicherheit habe ich die Nut, die sich zwischen dem bläulichgrauen Cutlass-Lager-Rohr und der weißen GFK-Tülle mit einem Epoxid-Spachtel verschlossen (hier im Foto noch nicht zu sehen)
Eingebaut Teil 2: Die neue Wellendichtung ist aus einem speiellen Gummi. Sie ist weitgehend wartungsfrei. Lediglich vor dem ersten Gebrauch und einmal pro Jahr zu Saisonbeginn muss man zwischen die beiden Dichtlippen in der Gummitülle über die Schmieröffnung etwas Fett geben. Auf dem Foto ist diese Öffnung mit der sechkantigen Messingschraube verschlossen. Auf dem weiten Einlass ist der Fitting aus Messing mit dem durchsichtigen Schlauch zu sehen. In diesem kann ich prüfen, ob die Wellendichtung hinter den Dichtlippen auch mit Wasser gefüllt wird.

Überblick: So bin ich beim Refit-Projekt im Motorraum meiner Vindö 32 vorgegangen

1. Aktion: Ausbau der Propellerwelle; Herausforderung: Lösen der Welle aus dem Klemmflansch am Getriebe; Reinigen der Welle

2. Aktion: Ausbau der Stopfbuchse; Reinigung des Motorraums

3. Aktion: Ausbau des Wellenlagers (Cutlass-Lager) aus dem Stevenrohr; Reinigung des Stevenrohrs

4. Aktion: Einbau des neuen Wellenlagers (Cutlass-Lager)

5. Aktion: Einbau der neuen Wellendichtung als Ersatz für die konventionelle Stopfbuchse

6. Aktion: Einbau der Propellerwelle und Befestigung im Klemmflansch am Getriebe (zuvor: einfetten mit Wellenfett!)

Zur 1. Aktion: Ausbau der Propellerwelle – Achtung: Konischer Sicherungsstift im Klemmflansch

Klemmflansch: Der Klemmflansch sitzt am Getriebe (grünes rundes Gehäuse rechts im Bild). Im Klemmflansch steckt die Propellerwelle. Beim Klemmflansch werden zwei Hälften mit vier Maschinenschrauben (Innensechskant / Imbus) zusammengezogen. Das bewirkt, dass die Welle regelrecht eingeklemmt und festgehalten wird. Hier im Foto sind die Bohrungen für zwei dieser Schrauben zu sehen. Die Schrauben habe ich bereits ausgebaut. Zusätzlich steckt in Klemmflansch und Welle ein Sicherungsstift. Auf der Propellerwelle sitzt in Richtung Achtersteven die Stopfbuchse. Diese dichtet die Welle mit einer Baumwollpackung ab. Die Stopfbuchse ist mit einer Gummimuffe auf dem Stevenrohr befestigt.
Sicherungsstift 1: Auf diesem Foto ist der Klemmflansch eine Viertel Drehung weitergedreht. Die Welle ist bereits ausgebaut. So sieht man die beiden Klemmbacken des Klemmflansches. Den koniscen Sicherungsstift habe ich zur Ansicht halb in seine Bohrung im Klemmflansch gesteckt, die ebenfalls konisch ist. Links im Foto ist die Stopfbuchse ohne Welle zu sehen. Die Stopfbuchse wird im nächsten Schritt ausgebaut. Ihr Ersatz durch eine wartungsfreie Wellendichtung aus Gummi ist eines der beiden Gründe für diese Werkel-Session im Motorraum.
Sicherungsstift 2: Hier ist der Sicherungsstift zu sehen, wie er in der Welle steckt. Das dicke Ende hat einen Duchtmesser von 9,2 mm und ein dünnes Ende von 8 mm. Das dünne Ende weist eine Form wie ein sehr stumpfer Kegel auf. Diesen Kegel zwecks Ausbau am besten flach „dremeln“. Dann hat man die plane Auflage für einen passenden Austreiber (z.B. Durchmesser = 7 mm). Beim Einbau muss man darau achten, dass man den Sicherungsstift von der richtigen Seite einführt: und zwar sowohl in Klemmflansch als auch in die Welle. Denn der Stift ist konisch, die Bohrunen in Klemmflansch und Welle auch. Nun ja, eine große Sache ist das nicht. Denn der Stift passt nur dann, wenn man Welle und Klemmlansch passend justiert hat.

Die Propellerwelle steckt im Motorraum in einem Klemmflansch. Dieser ist am Getriebe befestigt. Eigentlich keine große Sache, denkt man. Tatsächlich sieht man zunächst nur vier Maschinenschrauben mit Innensechskant, also sogenannte Imbusschrauben. Doch diese sind beileibe nicht alles, was die Welle im Klemmflansch hält. Bei genauer Betrachtung ist im Klemmflansch ein Sicherungsstift zu erkennen, der im Übrigen konisch ist, was man im eingebauten Zustand freilich nur schwer erkennen kann, sondern am besten wissen muss.

Diese zusätzliche Sicherung ist mir zunächst gar nicht aufgefallen. Ehrlich gesagt, hatte ich keine Vorstellung davon, dass ein konischer Sicherungsstift von fast einem Zentimeter Durcvhmesser: (genauer: dickes Ende = 9,2 Millimeter, dünnes Ende = 8 mm) durch die Welle gehen könnte, die selbst nur 25 mm im Durchmesser misst. Außerdem wird die Welle im Boot eines Freundes, der ebenfalls mit einem alten Volvo Penta herumschippert, nur mit den Imbusschrauben im Klemmflansch festgehalten.

1. Schritt: Schrauben lösen. Leider sitzen alle vier Maschinenschrauben teuflisch fest im Klemmflansch. Aber das kennt man ja: Alte Schrauben sind meist rostig und das kostet: Zeit! Ich habe den Widerstand der alten Schrauben mit reichlich Rostlöser-Kriechöl, etwas Geduld und dann mit dem passenden Werkzeug überwunden. An dieser Stelle hat sich meine große Knarre von Prokon mit langer Verlängerung und einem passenden Imbusvorsatz bewährt.

2. Schritt: Der Sicherungsstift. Die Propellerwelle lässt sich nicht ziehen. Bis jetzt habe ich noch keine Ahnung vom konischen Sicherungsstift. Aber irgend etwas stimmt da nicht. Also rein ins Segel-Forum. Dort finde ich in einem Thread den Hinweis, dass es Klemmflansche mit Sicherungsstift gibt. Außerdem bekomme ich von anderen Seglern im gleichen Forum über einen Thread zur Baustelle Klemmflansch, den ich selbst initiiere, eine ganze Reihe sehr guter und hilfreicher Tipps, wie ich diesem widerborstigen Sicherungsstift Mores lehren und ihn aus dem Klemmflansch austreiben kann. Diese Tipps und ihre Diskussion im Thread haben mir mehrere Details deutlich vor Augen geführt, auf die ich ohne Hilfe wohl nicht gekommen wäre, auf die man jedoch unbedingt achten sollte, um nicht z.B. das Getriebe kaputt zu machen.

Exkurs: Erfahrung macht schlau und gut. Zumindest ist das die Chande. Das heißt aber auch, dass man beim ersten Mal nicht immer weiß, wie man ein konkretes Problem angehen soll. Oft genug sieht man auch nicht, mit wem man es zu tun hat. In diesen Situationen braucht man Rat von anderen Bootseignern, die bereits mehr Erfahrung gesammelt haben. Genau das findet man in diesen Foren: www.segeln-forum.dewww.vindoe-forum.dewww.boote-forum.de

2.1: Klemmflansch unterfüttern. Unter die Welle positioniere ich einen Eisenklotz auf einem Holzkeil. Letzterer gleicht den abschüssigen Boden der Bilge aus. Der Eisenklotz sitzt genau unter dem Klemmflansch. Der Sinn: Die Unterfütterung soll dafür sorgen, dass die volle Kraft der Hammerschläge auf den Sicherungsstift gehen. Ohne Unterfütterung würde die Welle die Schläge abfedern. Das könnte die Welle und auch das Getriebe beschädigen.

2.2: Spitze abschleifen: Die kegelartige stumpfe Spitze des Sicherungsstifts mit dem Dremel abschleifen. Der Sinn: Der Austreiber soll eine möglichst plane Auflagefläche auf dem Stift haben.

Achtung: Der konische Stift lässt sich nur in eine Richtung aus dem Klemmflansch austreiben. Es ist also wichtig zu erkennen, welches Ende den kleineren Durchmesser und welches den größeren Durchmesser hat. Das Ende mit dem kleineren Durchmesser sieht aus wie eine flache (stumpfe) Kegelspitze. Das andere dickere Ende ist einfach platt. Anderer Ansatz: Messen, was aber nicht so einfach ist, weil man kopfüber im Motorraum hängt und mit dem Messschieber nur schwer die genauen Maße abgreifen kann.

2.3: Stift austreiben: Ich habe einen schweren Fäustel ohne Stil genommen. Diesen kann man wie der Neandertaler seinen Faustkeil packen und von oben auf den Austreiber schlagen. Als Austreiber habe ich einen mit einem Durchmesser genommen, der etwas kleiner ist als der Durchmesser der abgefeilten Kegelspitze. Austreiber ansetzen und einen Hammerschlag beherzt ausführen. Austreiber neu ansetzen und wieder zuschlagen. Beim vierten Schlag gab der Sicherungsstift nach. Sieg! Von nun an war das ein Kinderspiel.

3. Schritt: Propellerwelle ziehen. Das geht easy.

4. Schritt: Propellerwelle entfetten und reinigen.

Zur 2. Aktion: Die Stopfbuchse ausbauen – Die einfachste Übung des Refit-Programms

Stopfbuchse (links) und Gummimuffe (rechts): Die konventionelle Stopfbuchse presst eine Baumwollpackung eng an die Welle.
Wie fest, das reguliert man über das Sechskant-Bauteil mit der großen Bohrung in der Mitte für die Welle. Das Bauteil sieht wie eine große Mutter aus (im Bild links: das obere Bauteil). Man darf die Baumwollpackung allerdings nicht zu fest an die Welle pressen. Sonst wird diese zu heiß und läuft ein (soll heißen: nutzt ab). Nach ein paar Stunden unter Motor muss man eine Protion frisches Fett in die Stopfbuchse pressen. Am unteren Bauteil der Stopfbuchse ist links unten eine kleinere Öffnung mit Gewinde zu sehen. Hier wird das Fitting für den Schlauch zur Fettpresse eingeschraubt. Die Fettpresse steckt bei einer Vindö 32 in der achterlichen Backskiste. In Zukunft möchte ich auf das ganze Ensemble verichten. Denn ich ersetze die konventionelle Stopfbuchse durch eine Gummi-Wellendichtung, die so gut wie keine Wartung benötigt. Die Gummimuffe rechts im Foto dient als Verbindungsstück zwischen Stopfbuchse und Stevenrohr.

Nur 1 Schritt: Die alte Stopfbuchse ist über eine Gummimanschette auf dem Stevenrohr befestigt. Einfach die Schlauchschelle öffnen, die Gummimanschette samt Stopfbuchse herunterziehen, fertig ist die Laube.

Zur 3. Aktion: Das alte Wellenlager ausbauen

GFK-Stummel: Der Rumpf hat eine Art Appendix am Achtersteven. In diesem steckt das Stevenrohr und im Stevenrohr das Wellenlager (auch: Cutlass-Lager). Um festzustellen, ob das Wellenlager im Stevenrohr mit Madenschrauben gesichert ist, habe ich das Antifouling vom GFK-Stummel abgekratzt. Im Gelcoat kann ich weder an Backbord noch an Steuerbord Madenschrauben entdecken. Diese Diagnose hat sich später als richtig herausgestellt. Bei meinem Boot wurde das Cutlass-Lager im Stevenrohr nicht mit Madenschrauben gesichert. Aber das kann bei anderen Booten anders sein.
Matrjoschka-Rohre: Auf diesem Foto kann man gut den Aufbau erkennen. Der weiße Ring außen ist der „GFK-Stummel“ des Rumpfes. Der nächste schmale, messingfarbene Ring ist das Stevenrohr. In diesem steckt das Wellenlager. Das wiederum setzt sich zusammen aus einem äußeren Messingrohr, in das die Gummieinlage eingeklebt ist. Die Gummieinlage ist beim alten Wellenalger im unteren Bereich schon so abgewetzt, dass man die Nuten in Längsrichtung gar nicht mehr erkennen kann. Deshalb möchte ich das Wellenlager gegen ein neues austauschen.
Stevenrohr: Das Wellenlager ist gezogen. Auf diesem Foto blickt man dierkt ins Stevenrohr. Seltsamerweise kann man auf beiden Seiten (hier der Blick von Steuerbord) kleine, runde Markierungen erkennen. Bleibt die Frage, wozu sind diese gut sind? Vielleicht handelt es sich um Markierungen für zwei Bohrungenn, durch die man dann Madenschrauben ins Wellenlager schrauben könnte.

Hintergrund: Bei vielen Arbeiten besteht die erste Herausforderung darin, zu erfahren, welches Bauteil genau und vor allem wie es im Boot verbaut ist. Die folgenden Informationen können anderen Eignern einer Vindö 32 helfen, die ebenfalls das erste Mal vor dem gleichen Problem stehen und das Wellenlager ersetzen wollen:

1. Das Wellenlager im Stevenrohr meiner Vindö 32 ist circa 70 mm lang.

2. Das Wellenlager ist nicht mit Madenschrauben befestigt. Bei meiner Vindö 32 ist das Cutlass-Lager lediglich mit etwas Kleber (Epoxi?) in das Stevenrohr eingeklebt. Diese Verklebung hat beim Ausbau keine großen Probleme gemacht.

Exkurs: Bei anderen Vindös wird das Wellenlager im Stevenrohr offenbar mit Madenschrauben dagegen gesichert, dass es verrutschen kann. Das ist offensichtlich nicht bei allen Vindös der Fall. Also muss man nach den Madenschrauben suchen: Antifouling vom „Stevenrohr-Stummel“ abkratzen. So nenne ich den Rumpf-Fortsatz am Achtersteven, wo die Propellerwelle rauskommt. In diesem Stummel steckt das Stevenrohr und in diesem das Wellenlager alias Cutlass-Lager. Und vielleicht diese dubiosen Madenschrauben, je eine von jeder Rumpfseite.

Das Cutlass-Lager bzw. Wellenlager ist ein Rohr entweder aus Messing mit einer Gummieinlage. Diese Gummieinlage ist im Grunde ein Gummirohr mit mehreren Nuten in Längsrichtung.

3. Nach dem Ausbau des Wellenlagers sind im Stevenrohr seitlich zwei kreisförmige Markierungen zu sehen. Also doch Madenschrauben? Nein, denn diese müssten ja in das Wellenlager hineinragen. Bleibt die Frage, wozu diese Markierungen gut bzw. gedacht sind? Vielleicht handelt es sich um Markierungen im Stevenrohr für Bohrungen, falls man das Stevenrohr mit Madenschrauben ausrüsten möchte. Falls das so ist, so hat die Vindö-Werft diese Option bei meiner Vindö 32 nicht genutzt, worüber ich beim Ausbau des Wellenlagers ganz froh war.

Das alte Wellenlager (Cutlass-Lager) aus dem Stevenrohr operieren

Wellenlager: Das Wellenlager ist ausgebaut. Zwei Längsschnitte habe ich vorsichtig eingesägt. Dabei wollte ich jedoch nicht auch in das Stevenrohr sägen. Deshalb habe ich immer wieder geprüft, wie tief ich schon gekommen bin. Letztlich konnte ich das ganze Lager mit einem schmalen Meißel nach innen austreiben.

1. Schritt: Ich habe von hinten durch das Stevenrohr zwei parallele Einschnitte in die Gummieinlage des Wellenlagers gesägt und zwar im Abstand von etwa 10 mm. Anschließend habe ich das Gummi in dieser schmalen Spur mit einem Stechbeitel abgetragen. Der Zweck dieser Übung: Ohne Gummieinlage konnte ich leichter das Messingrohr des Wellenlagers einsägen (siehe Schritt 2).

Werkzeug: Mit einer normalen Eisensäge lässt sich im Stevenrohr nicht sägen. Aber es gibt Handgriffe, in die man die Sägeblätter von Eisensägen so einspannen kann, dass der längste Teil des Sägeblatts frei nach vorne ragt. So kommt man mit dem dünnen Sägeblatt ins Stevenrohr. Beim Sägen muss man darauf achten, dass man das frei schwingende Sägeblatt nicht staucht und verbiegt. Wenn man nicht zu viel Druck macht, geht das. Mit einem neuen Sägeblatt kommt man auch gut voran.

2. Schritt: Als nächstes habe ich in der vom Gummi befreiten Spur das Messingrohr des Wellenlagers aufgesägt. Wieder zwei Einschnitte im Abstand von circa 10 mm. Die besondere Herausforderung liegt darin, möglichst über die Länge des Wellenlagers gleichmäßig tief zu sägen. Wie tief man am inneren Ende des Wellenlagers ist, lässt sich nur schwer kontrollieren. Hier kommt es also auf Feingefühl beim Sägen an.

3. Schritt: Mit einem schmalen Meißel habe ich regelmäßig geprüft, ob ich schon genügend tief in das Messingrohr des Wellenlagers eingesägt habe, um das Messing in den Einschnitten abreißen und aufbiegen zu können.Mein Kalkül: Ich muss das Messingrohr nicht in seiner Dicke komplett durchsägen – und dabei Gefahr laufen, in das Stevenrohr zu säbeln. Es sollte reichen, wenn die beiden Einschnitte so tief sind, dass das Messingrohr in ihnen nur noch hauchdünn ist. Die verbleibende Dicke sollte sich mit einem Meißel und beherzten Hammerschlägen bewältigen lassen und abreißen.

4. Schritt: Konkret verlief der Prozess so: Ich habe beim Einsägen in das Wellenlager (Messingrohr) immer wieder getestet, ob ich den schmalen Meißel schon wischen Stevenrohr und Messing-Wellenlager treiben könnte. Irgendwann gelang es, ich konnte das Messing mit dem Meißel wie eine Zunge aufbiegen. Zunächst musste ich feststellen, dass die beiden Einschnitte noch nicht tief genug waren. Also weitersägen und erneut prüfen. So habe ich die Einschnitte Schritt für Schritt vertieft.

Irgendwann konnte ich eine kurze Messingzunge nach oben biegen. Anders gesagt: Ich hatte das doppelt eingesägte Messingrohr mit dem Meißel auf etwa einen halben Zentimeter Länge ganz durchtrennt und aufgebogen. In diese aufgebogene „Messingzunge“ habe ich den schmalen Meißel in einen der beiden eingerissenen Einschnitte angesetzt und mit dem Hammer vorangetrieben. Das funktionierte. Der Abriss wurde zunächst länger, und nach, nach mehreren Schlägen, löste sich plötzlich das Messingrohr (Wellenlager) und von da an konnte ich es durch das Stevenrohr in den Motorraum treiben. Die Sache war erledigt! 5. Schritt: Stevenrohr reinigen, Reste des Klebers (Epoxi?) beseitigen, entfetten

Zur 4. Aktion: Das neue Wellenlager im Stevenrohr (Cutlass-Lager) einbauen

1. Schritt: Den Innendurchmesser des Stevenrohrs messen.

Achtung: In meiner Vindö sind sowohl Bauteile mit metrischen Maßen (z.B. Millimeter) als auch mit Zoll-Maßen verbaut. Ich vermute, dass das bei allen Vindös der Fall sein dürfte, die hierzulande herumschippern. Die unterschiedlichen Maße sorgen schnell für Irritationen.

Im Stevenrohr meiner Vindö 32 habe ich einen Innendurchmesser von ca. 37,8 mm gemessen. Das passt ganz gut zu dem Maß 1 ½ Zoll.

Beim neuen Wellenlager habe ich mich für eines „mit Außenarmierung aus Kunstharz“ entschieden. Statt „Außenarmierung“ könnte man auch „Rohr“ sagen. Dieses hat im Fall meines Bootes den Außendurchmesser von 1 ½“ (Zoll). Es gibt auch Wellenlager mit einem Rohr aus Messing. Aber die Lager aus Kunstharz haben den Vorteil, dass das Kunstharz im Wasser leicht aufquillt. Damit sitzt das Wellenlager schön fest und ist gut gegen Verrutschen gesichert.

2. Schritt: Das neue Wellenlager auf die geforderte Länge bringen. Das sind bei meiner Vindö 70 mm. Das gekaufte Wellenlager ist 100 mm lang. Also säge ich 30 mm ab. Das ist deshalb zwingend nötig, weil bei der Vindö 32 auf der Steuerbordseite eine kleine GFK-Röhre durch den Rumpf in das Stevenrohr führt. Dieser Durchlass sorgt für die Wasserschmierung im Stevenrohr und sicherlich auch für etwas Kühlung der Welle.

3. Schritt: Das zugeschnittene Wellenlager über Nacht in einen Kühlschrank in der Bootshalle legen. Die Kälte soll dafür sorgen, dass das neue Wellenlager ein bisschen schlanker wird, so dass ich beim Einhämmern in das Stevenrohr ein leichteres Spiel habe.

4. Schritt: Das gut gekühlte Wellenlager mit einem Holzklotz als Unterlage und einem Fäustel in das Stevenrohr treiben. Das geht anfangs recht leicht, mit zunehmender Tiefe wird es schwerer. Insgesamt ist dieser Schritt kein Problem. Das neue Wellenlager sitzt schön fest im Stevenrohr.

5. Schritt: Von hinten sieht das Ergebnis so aus: Das Wellenlager sitzt im Stevenrohr und steht etwa zwei Millimeter hervor. Das Stevenrohr sitzt etwas tiefer im Stevenrohr-Stummel aus GFK (siehe oben). Damit ergibt sich eine Nut in Kreisform. Diese fülle ich mit Epoxis-Spachtel aus Epoxidharz und Micro-Fiber. Das sorgt für eine zusätzliche Sicherung des stabilen Sitzes des neuen Wellenlagers im Stevenrohr.

Neues Wellenlager: Das neue Wellenlager sitzt schön stramm im Stevenrohr. Das Außenrohr dieses Cutlass-Lagers besteht nicht aus Messing wie sein Vorgänger, sondern aus Kunstharz. Das Kunstharz soll im Wasser ein bisschen aufquellen. Ich denke, das Teil sitzt im Stevenrohr so fest, dass ich auf eine zusätzliche Sicherung durch Madenschrauben verzichten kann.

Zur 5. Aktion: Einbau der neuen Wellendichtungen (statt Stopfbuchse)

Wartungsfrei: Ab sofort läuft die Propellerwelle in meinem Boot wartungsfrei und gut abgedichtet. Die neue Wellendichtung aus speziellem Gummi ist eingebaut. Links auf der Gummi-Dichtung ist eine sechskantige Messingschraube zu sehen. Das ist der Verschluss für die Schmieröffnung. In diese habe ich eine gehörige Portion des mitgelieferten Schmierfetts zwischen die Dichlippen der Dichtung gepresst. Gleich dahinter sitzt das Fitting mit einem durchsichtigen Schlauch. Damit kann man die Wellendichtung an eine Wasserpumpe anschließen, falls man die Dichtung über der Wasserlinie einbaut. Im Fall meiner Vindö wäre ein solcher Schlauch folglich nicht zwingend nötig. Aber ich halte ihn für praktisch. So kann die Luft aus der Wellendichtung gut entweichen und dem Wasser Platz machen, das durch das Cutlasslager und Stevenrohr eindringt. Im durchsichtigen Schlauch kann ich kontrollieren, dass wirklich Wasser in der Wellendichtung steht. Den Schlauch habe ich im Motorraum nach oben geführt und deutlich über der Wasserlinie mit einem Kabelbinder befestigt.

Es gibt moderne Gummidichtungen von Volvo. Diese erfüllen auch ihren Zweck. Allerdings haben sie keine Anschlüsse für Wasser und Schmierung. Außerdem sind sie deutlich teuerer als die alternativen Produkte anderer Hersteller bzw. Marken z.B. von Radice, Alpha oder MMP, die ebenfalls als hochwertig gelten (zumindest berichten andere Bootseigner in Foren über ihre positiven Erfahrungen).

Die neue Wellendichtung für meine Vindö 32 ist aus einem stabilen, flexiblem Spezialgummi, das auch Salzwasser und Schmiermittel gut verträgt. In der Dichtung befinden sich zwei dünne Lippen, die eng auf der Welle laufen und dafür sorgen, dass alles dicht ist. Zwischen diese Lippen wird etwas Fett gepresst. Es reicht, wenn man das vor dem Einbau macht und später einmal pro Saison kontrolliert.

Das ist der große Unterschied zur konventionellen Stopfbuche, bei der man routinemäßig die Fettpresse in der achterlichen Backskiste bedienen und frisches Fett in die Baumwollpackung der Stopfbuchse pressen muss, sobald man mit seinem Boot auf dem Wasser ein paar Runden unter Motor gedreht hat.

Durch das Wellenlager im Stevenrohr bzw. bei meiner Vindö 32 durch den Wasserdurchlass im Rumpf füllt sich die Wellendichtung hinter der zweiten Dichtungslippe mit Wasser. Das sorgt für Kühlung.

Diese Art von Gummi-Wellendichtung gibt es von verschiedenen Anbietern in zwei Varianten: Einmal mit Einlässen für Wasser und Fett. Und einmal ohne diese beiden Anschlüsse. Wird die Wellendichtung unter der Wasserlinie eingebaut, reicht die Variante ohne Einlässe. Beim Einbau oberhalb der Wasserlinie ist der Anschluss für eine Wasserversorgung durch eine Pumpe zwingend.

Bei einer Vindö 32 reicht eigentlich die einfache Variante. Ich habe mich trotzdem für die Wellendichtung mit Wasseranschluss und Schmieröffnung entschlossen. Denn:

1. Über die vordere Schmieröffnung (Messinggewinde im Gummi) kann ich das mitgelieferte Fett einfach zwischen die beiden Dichtlippen pressen. Dieser Einlass wird anschließend mit einer Messingschraube sorgfältig verschlossen.

2. In den hinteren Einlass (ebenfalls ein Messinggewinde) kann ich ein mitgeliefertes Fitting aus Messing schrauben und an dieses einen dünnen Schlauch anschließen. So kann die Luft aus der Wellendichtung leichter entweichen und dem Wasser Platz machen, dass durch das Stevenrohr eindringen und die Dichtung kühlen soll.

Doch Vorsicht! Die Öffnung dieses Schlauchs darf auf keinen Fall unter die Wasserlinie geraten! Sonst hat man ein gar nicht lustiges Leck, das den Motorraum langsam flutet. Deshalb habe ich den Wasserschlauch im Motorraum über die Wasserlinie nach oben geführt und mit einem Kabelbinder befestigt. Der durchsichtige Schlauch macht die Kontrolle einfach, ob die Wellendichtung wirklich mit Wasser gefüllt ist. Das halte ich für ganz hilfreich.

Die Auswahl einer passenden Wellendichtung aus Gummi für meine Vindö 32 war eine Herausforderung. Der Grund: In meiner Vindö 32 ist das Stevenrohr offensichtlich in Zoll gemessen und hat einen Außendurchmesser von ca. 46 Millimeter. Die Welle dagegen mit einem Durchmesser von exakt 25 Millimeter metrischer Bauart. Genau diese Kombination ist das Problem. Denn es gibt keine Gummi-Wellendichtung, die für diese Kombination geschaffen ist. Egal welche Marke: Sie sind entweder für metrische Maße oder für Zoll-Maße dimensioniert.

Für Propellerwellen mit einem Durchmesser von 25 Millimeter gibt es zwei Varianten für unterschiedlich große Stevenrohre: eine ist für Stevenrohre mit dem Außendurchmesser von 39 bis 40 mm gedacht, die größere für Stevenrohre mit dem Außendurchmesser von 42 bis 43 mm. Ich habe die größere Variante gewählt und gehofft, dass das Gummi so flexibel ist, dass ich die Wellendichtung auch auf das 46-Millimeter-Stevenrohr schieben kann. Das war nicht ganz einfach. Aber es hat geklappt.

Erste Erfahrung: Die Wellendichtung hat ihre erste Probefahrt bereits bestanden. Sie sitzt mit einer guten Schlauchschelle fest auf dem Stevenrohr, die Lippen dichten die Welle gut ab, weder Welle noch Dichtung laufen heiß. Allerdings ist das Wasser der Havel Ende Oktober auch nicht mehr ganz so warm. Ich bin gespannt, wie sich die Innovation im Motorraum im Sommer hält.

So habe ich die Wellendichtung eingebaut:

Dickes Rohr: Das Stevenrohr in meiner Vindö 32 ist im mit einem Außendruchmesser von circa 46 Millimetern ungewöhnlich dick für eine Welle von 25 Millimetern. Das Problem: Die Gummi-Stopfbuchsen für 25-Millimeter-Wellen sind für Stevenrohre mit einem Außenurchmesser von 42 bis 43 Millimeter gedacht. Was tun? Ausprobieren!
Passt trotzdem: Die neue Gummi-Wellendichtung sitzt auf dem Stevenrohr. Zugegeben, das war etwas fummelig. Außerdem habe ich die empfohlene Reihenfolge beim Einbau nicht einhalten können. Bei dieser soll man zuerst die Welle durch das Stevenrohr schieben und auf diese dann im Motorraum die Wellendichtung. Das ist ja schön und gut. Nur habe ich dann die Wellendichtung nicht auf das Stevenrohr bekommen. Also habe ich zuerst die Wellendichtung auf das Stevenrohr gezwungen. Und dann die Welle eingeführt. Dabei ist Vorsicht geboten. Denn man darf dabei nicht mit der Welle die beiden Dichtlippen in der Wellendichtung beschädigen.

1. Schritt: Die beiden Lippen der Wellendichtung mit dem mitgelieferten Fett leicht schmieren. Auch den hinteren Schaft der Wellendichtung habe ich leicht eingefettet, damit ich ihn leichter auf das Stevenrohr schieben kann.

2. Schritt: Die Einbauhilfe in die Wellendichtung einführen. Bei meiner Wellendichtung ist das ein blaues Plastikteil, im Grunde ein kurzes, längst geschlitztes Rohr. Dieses steckt man vorsichtig in die Dichtung. Die Einbauhilfe soll die beiden Lippen gegen Beschädigung schützen, wenn man die Welle einführt. Diese Prozedur muss man vorsichtig ausführen. Denn man muss die Beschädigung der Dichtungslippen durch die Welle unbedingt vermeiden. Falls das Wellenende keine Phase aufweist und scharfkantig ist, wäre es eine gute Idee, diese scharfe Kante mit feinkörnigem Schleifpapier abzurunden. Noch besser: Das Wellenende mit einer Drehbank so abdrehen, dass sie eine Phase hat. Diese hilft beim „einfädeln“.

3. Schritt: Wellendichtung samt Schlauchschelle auf das Stevenrohr schieben und mit dem Stevenrohr in eine Flucht bringen.

So habe ich die Ausrichtung der Wellendichtung auf dem Stevenrohr feinjustiert: Zunächst habe ich im Motorraum eine helle Leuchte aufgestellt. Diese zielte auf die Öffnung der Wellendichtung. Von außen konnte ich nun von hinten durch das Stevenrohr schauen und den Sitz der Wellendichtung kontrollieren. Die blaue Einbauhilfe leistete dabei einen guten Dienst. Denn sie war im Stevenrohr als dünner, blauer Ring zu sehen. Nun habe ich im Motorraum die Wellendichtung so lange auf dem Stevenrohr dosiert hin- und herbewegt, bis der blaue Ring im Stevenrohr konzentrisch positioniert war.

4. Schritt: Propellerwelle vorsichtig einsetzen. Das Problem ist natürlich, dass das Ende der Propellerwelle einen relativ langen Weg bis zu den beiden Dichtungslippen in der Wellendichtung zurücklegt. Es kommt darauf an, die Welle möglichst zentriert einzusetzen und gefühlvoll Richtung Motorraum zu schieben. Irgendwann spürt man einen leichten Widerstand. Nun ist man mit dem Wellenende an den Dichtlippen angekommen. Ich habe die Propellerwelle leicht gedreht und sachte weitergeschoben. Das hat einigermaßen gut funktioniert. Einigermaßen deshalb, weil ich die Einbauhilfe mit der Welle herausgeschoben habe. Diese Einbauhilfe sitzt allerdings auch nicht wirklich fest in der Dichtung. Eine weite Person wäre bei diesem Arbeitsschritt hilfreich gewesen. Zu zweit kann eine Person die Welle führen, während die andere im Motorraum kontrolliert, Informationen nach hinten gibt und die Einbauhilfe ein bisschen festhält.

5. Schritt: Wellendichtung auf Stevenrohr festziehen. Bevor ich die Wellendichtung auf dem Stevenrohr mit der Schlauchschelle fest montiert habe, habe ich noch einmal den richtigen Sitz auf dem Stevenrohr kontrolliert. Am Sitz hatte sich durch das Einführen der Welle allerdings nichts geändert, das war immer noch in Ordnung.

Achtung: Die Schlauchschelle aus Edelstahl wird bei den Gummi-Wellendichtungen mitgeliefert. Das scheint bei allen Anbietern der Fall zu sein. Allerdings gibt es je nach Anbieter bzw. Marke Unterschiede bei der Qualität. Bei einigen gehören die einfachen Schlauchschellen mit Schneckenschraubgewinde zum Lieferumfang, die ich persönlich lieber nicht unterhalb der Wasserlinie im Boot haben möchte. Andere Lieferanten setzen auch bei diesem Bauteil auf Qualität und liefern eine gescheite Schlauchschelle mit Bolzen.

Achtung: Die ideale und empfohlene Einbaureihenfolge sieht anders aus als oben beschrieben

1. Schritt: Zuerst die Propellerwelle in dasnStevenrohr einführen und halb in Motorraum durchschieben.

2. Schritt: Erst jetzt solle man die Wellendichtung samt Einbauhilfe vorsichtig auf die Welle schieben.

3. Schritt: Nun solle man die Wellendichtung auf das Stevenrohr schieben.

4. Schritt: … dann auf der Welle zum Stevenrohr und schließlich auf dieses draufschieben.

Das Problem: Bei mir hat der Einbau in dieser Soll-Reihenfolge nicht geklappt! Im Motorraum einer Vindö 32 ist es unten in Höhe der Propellerwelle ziemlich eng. Man hängt kopfüber im Motorraum und kann kaum die Kraft ausüben, die nötig ist, um die Wellendichtung auf der Welle nach hinten zu schieben – geschweige denn über das Stevenrohr, das mit 46 mm auch noch recht großzügig dimensioniert ist. Das habe ich beim besten Willen nicht hinbekommen. Deshalb habe ich die Reihenfolge geändert (siehe oben: „So habe ich die Wellendichtung eingebaut“ – Schritte 1 bis 5).

Refit: Runderneuerung im Motorraum – Austausch von Wellenlager und Stopfbuchse bzw. Wellendichtung
Markiert in: